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Virtuelle Welten

#1 von Instant Karma , 26.03.2012 10:33

Neulich eine Diskussion mit 'nem Freund:

Würde ich lieber in einer virtuellen Matrix like Welt leben wollen, in der ich zufrieden und glücklich bin, oder in einer kalten, unwirtlichen, lavasprudelnden Welt, die alles dafür tut, einen unglücklich zu machen... -Aber real ist?

Mein Freund ist der Meinung, dass er nicht in einer virtuellen Umgebung leben möchte, weil es ihm nach Weisheit und Wissen durstet und er erfahren will, wie die Dinge real sind.

Ich sehe das vollkommen anders. Zwar habe ich auch eine recht ausgeprägte Neugier und interessiere mich dafür, wie die Dinge tatsächlich ablaufen. Aber das doch auch nur, weil es meine Lebenswirklichkeit betrifft und mit MIR was zu tun hat. Das ist bei einer virtuellen Realität doch völlig gegeben. Es IST meine Realität, ob virtuell oder nicht. Vielleicht ist es eine Realität auf einer höheren Abstraktionsebene, aber wenn es DIE ist auf der ich optimal funktioniere, warum soll ich sie dann nicht zu meiner Heimat machen?

Streng genommen leben wir durch unsere Wahrnehmungsfilter und begrenzten Sensoren eh alle in einer virtuellen Umgebung. Vielleicht könnte man sich ein paar Filter heraus schnetzeln lassen, aber wenn man dann chronisch depressiv wird und sich schlecht fühlt, ist es dies dann wert? Nein, das denke ich nicht. Für mich steht hier klar die Wahl im Vordergrund: Will ich schlechter leben oder besser.

Wie seht ihr das; was ist euch wichtiger? Lebensqualität oder ein Höchstmaß an Wahrheit?


 
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RE: Virtuelle Welten

#2 von fool , 26.03.2012 18:57

Ich halte hier eine gesunde Mischung für durchaus sinnvoll und gesund.
Ich selbst lebe mich auch in "virtuellen" Welten, ich nenne das bewusst Träume, aus.
Da kann ich in Traumsequenzen die vielleicht nur Sekunden, oder Minuten dauern, ganze Leben erleben.
Und ich kann mich, im Unterschied zu normalen Träumen, an diese "Träume" genauso erinnern wie an mein reales Leben.
Solange man trotzdem mit beiden Beinen / Rädern auf dem Boden bleibt und sich nicht in diesen Welten verliert, ist das völlig ok.


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RE: Virtuelle Welten

#3 von RAFA , 26.03.2012 21:06

Zitat von IK
...n durstet und er erfahren will, wie die Dinge real sind.


Das hab ich früher auch gesagt. Dabei bin ich aber stets davon ausgegangen, dass einen ja die Realität sowieso einholt, so wie das ja bisher in der Realität der Fall ist: Wenn man aussteigt - mit Substanzen, Drogen, Träume - gibt es stets ein zwanghaft bedingtes Zurück. Vor diesem Zurück gibt es kein Entkommen. Vielleicht ist die endgültige Realitätsflucht grad noch der Wahnsinn und die Psychose, aber Leute, die so etwas haben, sind nicht glücklich! Sie werden eingesperrt, mit Medis ruhig gestellt, dürfen nicht mehr über sich selbst bestimmen - und das kriegen sie auch mit!

Der einzige Weg, wenigstens ab und zu halbwegs glücklich zu sein, ist, sich mit der Realität zu arrangieren.

Tja, wenn es nun aber die absolute blaue Pille gäbe..., hey: Keinen Moment würd ich zögern, sie mir einzupfeifen!


Zitat von IK
Lebensqualität oder ein Höchstmaß an Wahrheit?


Wahrheit wäre mir völlig wurscht, könnte sie mir wurscht sein.
Da sie mich (bisher) aber immer einholte, orientiere ich mich lieber gleich von vorn herein an ihr. Mei, sonst tät ich lieber auch an Engelchen und Depperle glauben, wenn das nicht den gravierenden Nachteil hätte, dass ich dann ungünstig mit der realen Welt korreliere.



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RE: Virtuelle Welten

#4 von Instant Karma , 28.03.2012 11:15

Zitat von RAFA
hey: Keinen Moment würd ich zögern, sie mir einzupfeifen!



Ich auch nicht. Ich bin darüberhinaus auch davon überzeugt, dass virtuelle Umgebungen dringend notwendig werden für die Gesellschaft der mittleren bis fernen Zukunft. Die Weltbevölkerung explodiert, die Umwelt wird immer unwirtlicher und hässlicher, überall stampfen Megastädte aus dem Boden und Farmen werden schon horizontal angelegt, weil es an Agrarfläche mangelt. So eine Welt hätte den Frühlingscharme eines Blade Runner Szenarios und die Depression der Leute wäre vorprogrammiert, wenn sie sich nicht wenigstens ab und zu in eine Welt begeben können, die etwas mehr ihrer ursprünglichen Natur entspricht, an die wir evolutiv angepasst sind.

Wir haben grad eine sehr interessante Vorlesung, in der es darum geht, wie virtuelle Welten beliebiger Immersivität (das Ausmaß, in dem eine VR einen hinein zieht) geschaffen werden können. Die Anfänge haben wir heute schon mit Videospielsystemen wie die Wii oder Xbox 360 Kinect, die uns erlauben, intuitiv in die Welt hinein zu langen. Kinect scannt dabei den Körper dreidimensional und projiziert ihn 1 : 1 in die Speilwelt.

Der nächste Schritt wären head mounted displays, also Datenhelme, zusammen mit Anzügen, die taktiles Feedback ermöglichen. Am Ende steht dann die direkte Interaktion unseres Nervensystems mit dem Computer, mittel Naniten, auf dem Plan. -Und das ist gar nicht mal SO weit weg. Die ersten Chips, die mit Neuronen Informationen austauschen, gibt es schon. Sie müssen nur sehr viel kleiner werden und das beduetet bei momentanen Minitiaturisierungsraten, ein Hallo im Zeitraum 2035 - 2045. Die ersten grafisch überzeugenden Anwendungen, die von der Realität kaum noch unterscheidbar sind, werden wir schon 2019 / 2020 zur Verfügung haben. Die Rechenkapazität wird also weniger das Problem sein.

Die Frage, wie wir es halten mit der Virtualität, wird also immer weniger bloß eine Theoretische sein.

 
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RE: Virtuelle Welten

#5 von aiem , 28.03.2012 13:02

Lässt sich zwischen Lebensqualität und Höchstmaß an Wahrheit kein Kompromiss finden? Wenn man das Universum so kalt und schwarz wie Lovecraft in seinen Geschichten sieht, wird es natürlich schwierig. Wir sollten stets daran denken, dass es an uns (der Menschheit) liegt, in einer mehr oder weniger vollkommenen Welt zu leben. Das Problem des Bevölkerungswachstums wird auch ohne unser Zutun geregelt: so zynisch es auch klingen mag, dafür sind Seuchen "gut". Aber wir geben uns die allergrößte Mühe (siehe Syrien u.s.w.), die kalte, harte Seite der Natur bzw. der treibenden Kraft, die dahintersteht, zu unterstützen. Warum nicht die warme, weiche Seite? Für mich ist die (absolute) Wahrheit das Höchstmaß an Lebensqualität! Ich muss aber dazu sagen, dass ich mich von der Natur/Schicksal/Gott (wie auch immer man das nennen will) umhegt und in keiner Weise angegriffen fühle. Wenn man gelernt hat, auch im vermeintlich Schlechten das Gute zu sehen, ist das auch dann möglich, wenn man mal keine gute Phase hat. Die Sichtweise ist alles. Sie entscheidet, wie wir uns fühlen - gänzlich ohne Kyberspace und Drogen. Man sollte frei werden von allen Arten der Abhängigkeit, und dazu zählt auch die Abhängigkeit von den äußeren Umständen. Es lebt in der Tat jeder in seiner eigenen Realität, und auch wenn es nicht leicht ist, diese (Stichwort Konditionierungen) zu ändern, ist es möglich.

Ach ja, und sollte die "Wahrheit" wirklich kalt und "lavasprudelnd" sein, dann kann sie mir auch gestohlen bleiben. Da wäre ich ja schön bescheuert, wenn ich mir nicht die virtuelle Dröhnung geben würde.


Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden - oder auch zertreten.

 
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RE: Virtuelle Welten

#6 von Instant Karma , 28.03.2012 13:26

Zitat von aiem
Das Problem des Bevölkerungswachstums wird auch ohne unser Zutun geregelt: so zynisch es auch klingen mag, dafür sind Seuchen "gut".



Sie steuern etwas entgegen, ändern aber nichts an der Exponenzialität des Wachstums der Erdbevölkerung. Schau doch nur mal nach Afrika: Da explodieren die HIV Explosionen genau so wie die Bevölkerungszahlen. Dazu kommt dann noch, dass das medizinische Wissen noch viel krasser wächst und sich alle fünf Jahre verdoppelt. So spielen Epidemien eine immer geringere Rolle.

Zitat von aiem
Ich muss aber dazu sagen, dass ich mich von der Natur/Schicksal/Gott (wie auch immer man das nennen will) umhegt und in keiner Weise angegriffen fühle.



Gut, DAS ist genau die Art an virtueller Realität, die ich, genau wie Rafa, streng ablehne. Wenn die Realität mir ans Bein pinkelt und ich das nicht mal mehr wahrnehme, weil es mir in meinem Gottesrausch eh gut geht, DANN wird es dysfunktional und objektiv gefährlich.

Zitat von aiem
Die Sichtweise ist alles. Sie entscheidet, wie wir uns fühlen - gänzlich ohne Kyberspace und Drogen.



Das Problem was ich mit so Gottphantasien habe, ist, dass sie imo nur dann ihren Zweck erfüllen können, wenn man sich ihnen ausreichend hin gibt. Sie also wirklich für real hält. Dann besteht aber auch das Risiko, dass man leicht die Bodenhaftigkeit verliert und über Dinge stolpert, die eben real sind. Da muss man schon einen schönen Spagat hinbekommen und das erscheint mir zu aufwendig für den verhältnismäßig geringen Nutzen. Ich finde die Realität auch nicht so schlimm, als dass man ihr ständig entfliehen müsste. Nur wird es in der Zukunft eventuell so sein und da sollte man sich dann schon drauf vorbereiten. -Technisch und vielleicht auch schon mental.

Zitat von aiem
Es lebt in der Tat jeder in seiner eigenen Realität, und auch wenn es nicht leicht ist, diese (Stichwort Konditionierungen) zu ändern, ist es möglich.



Ja, wir leben in einer virtuellen Realität. Wir leben aber auch in einer objektiven Realität, die unsere Virtuelle mit bestimmt. Wenn uns objektiv der Blitz trifft, dann ist es auch mit der virtuellen Schose vorbei. Für mich kommt eine weitere, virtuelle Realität also nur dann in Frage, wenn auch objektiv dafür gesorgt ist, dass mir nichts passiert.

Zitat von aiem
Ach ja, und sollte die "Wahrheit" wirklich kalt und "lavasprudelnd" sein, dann kann sie mir auch gestohlen bleiben. Da wäre ich ja schön bescheuert, wenn ich mir nicht die virtuelle Dröhnung geben würde.



Da herrscht hier ja echt Konsens von allen Seiten. Interessant!


 
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RE: Virtuelle Welten

#7 von aiem , 28.03.2012 13:48

Was kümmert mich eine "objektive Gefahr", wenn ich subjektiv NIE von ihr eingeholt werde. Werde ich aber früher oder später doch eingeholt, habe ich den "Spagat" eben nicht wirklich geschafft. Es ist in der Tat nicht einfach, und jeder muss für sich eine Nutzen-Risiko-Abwägung machen. Aber auch das stimmt nicht wirklich: auch hier ist Determination am Werk.

Und wenn ich vom Blitz getroffen werde...

http://de.wikipedia.org/wiki/Roy_C._Sullivan

Ich habe diesen armen Menschen, den es lt. Wahrscheinlichkeitsrechnung gar nicht geben dürfte, noch live im Fernsehen gesehen. Er hat davon erzählt, dass er sich nach seinem 7. Blitzschlag mit Gott unterhalten hätte und dass er nun wüsste, wieso ihm dieses Schicksal zuteil wurde - möglicherweise die Folge der vielen Blitzeinschläge. Und dann Selbstmord wegen Liebeskummer!

Und was die Seuchen nicht schaffen, das schafft eben der Mensch. Und das was Du hier ansprichst (exponentieller Anstieg, medizinischer Fortschritt), ist genau das, wieso immer wieder von der Endzeit gefaselt wird. Ich mache mir da keine Sorgen.


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RE: Virtuelle Welten

#8 von Instant Karma , 28.03.2012 14:06

Zitat von aiem
Was kümmert mich eine "objektive Gefahr", wenn ich subjektiv NIE von ihr eingeholt werde.



Klar: Wenn man das wirklich ausschließen kann, dann würde es mich auch nicht kümmern.

Zitat von aiem
Es ist in der Tat nicht einfach, und jeder muss für sich eine Nutzen-Risiko-Abwägung machen.



Auch das stimmt. Ich unterstelle aber, dass die wenigsten Gläubigen dies tun. Viele werden ja schon von Geburt an an ihre Religion heran indoktriniert. Für sie kommt eine Abwägung gar nicht in die Tüte.

Zitat von aiem
Und das was Du hier ansprichst (exponentieller Anstieg, medizinischer Fortschritt), ist genau das, wieso immer wieder von der Endzeit gefaselt wird.



Das ist durchaus ein denkbares Szenario. Was ist wenn die Technologie uns davon eilt? Wenn die Programme sich selbst verbessern und sich so noch besser verbessern usw., bis sich das Wissen schon im Sekundentakt verdoppelt? Meiner Meinung nach steht und fällt alles mit der Frage, ob der Mensch bereit ist, zu transzendieren und seine Biofleischgestalt hinter sich zu lassen. Ansonsten wird er imo noch dieses Jahrhundert untergehen.

 
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RE: Virtuelle Welten

#9 von RAFA , 29.03.2012 00:03

Zitat von IK
Immersivität (das Ausmaß, in dem eine VR einen hinein zieht)


Aber das ist ja gerade das, weswegen ich mich von ihnen so gut es geht FERN halte: Weil sie end-geil sind und ich nicht mehr zurück will, bin ich erst mal drin. Das MUSS ich aber - und drum steig ich gar nicht erst ein. Das händle ich so mit Fernsehen, mit Games und natürlich auch mit Drogen und Berauschungen aller Art.



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RE: Virtuelle Welten

#10 von Instant Karma , 29.03.2012 10:01

Zitat von RAFA
Das händle ich so mit Fernsehen, mit Games und natürlich auch mit Drogen und Berauschungen aller Art.



Wirklich? Aber du trinkst doch schon mal ab und an ein Bier, oder? Ich glaube, dass solche Ausgleichshandlungen ganz, ganz wichtig sind und man gelegentlich einfach mal die Sau raus lassen oder sonst wie der Realität entfliehen muss, um den Kopf frei zu kriegen.


 
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RE: Virtuelle Welten

#11 von RAFA , 29.03.2012 19:09

Zitat von IK
doch schon mal ab und an ein Bier, oder


ja klar, aber wenn ich merk, ich werd richtig besoffen, dann hör ich auf. Mein selbstgesetzter Level bei Bier sind 3 Halbe! Mehr trink ich nicht, genau aus dem Grund: weil ich NICHT besoffen sein will (bissel angedüdelt reicht auch und ist lustig).

Außerdem schaltet einem Alkohol ja keine virtuellen Welten frei. Das ist ja nichts, wo man am Tag danach sagt: "Oh, war das geil, besoffen zu sein, das will ich gleich wieder!", sondern meistens sagt man sich am Tag danach genau das Gegenteil!


Zitat von IK
einfach mal die Sau raus lassen oder sonst wie der Realität entfliehen muss, um den Kopf frei zu kriegen.


Die "Sau rauslassen" ist doch nicht "der Realität entfliehen", sondern bloß "die Dinge etwas lockerer sehen". Die gesehenen Dinge sind aber nach wie vor die Realität.



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RE: Virtuelle Welten

#12 von Instant Karma , 29.03.2012 20:10

Zitat von RAFA
Die "Sau rauslassen" ist doch nicht "der Realität entfliehen", sondern bloß "die Dinge etwas lockerer sehen". Die gesehenen Dinge sind aber nach wie vor die Realität.



Naja, wenn ich mich von etwas ablenke, dann nehme ich es nicht mehr wahr und es verschwindet vorübergehend aus meinem Blickfeld; also aus >meiner< Realität. Man sieht seine Probleme in dem Moment auch nicht lockerer, sondern überhaupt nicht mehr. Das finde ich extrem wichtig, weil ständiges Gegrübel über ein und dieselbe Sache nicht zielführend ist. Du hast ja mal selbst in einer Depression gesteckt und weißt daher ganz gut, wo das hin führen kann. Oder redest du auf Parties die ganze Zeit die Leute mit deinen Probleme dicht? Da hast du doch sicherlich auch andere Themen, um mal eben NICHT immer über den gleichen Scheiß nachdenken zu müssen, sondern Abstand zu gewinnen vom Alltagsstress.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie man das erreicht. Und egal ob Gespräche, Parties, Hobbies oder virtuelle Welten: Entscheidend ist imo der Ablenkungseffekt.

 
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RE: Virtuelle Welten

#13 von RAFA , 29.03.2012 20:44

Zitat von IK
Oder redest du auf Parties die ganze Zeit die Leute mit deinen Probleme dicht?


Ja! Besonders, wenn ich ein, zwei Bier getrunken hab!

Desweiteren meine ich, dass ich nicht in einer Depression gesteckt habe, sondern angesichts der Dinge war ich verzweifelt, was ich auch jetzt noch genauso wäre, sähe ich mich den Problemen von damals gegenüber. Das ist keine Depression, das ist eine normale Reaktion. Ja, klar, freilich hab ich mich vielleicht übermäßig reingesteigert gehabt, aber ich finde es jetzt noch richtig, ein Problem anzupacken und zu fokussieren, wenn ich eins habe. Das Problem damals war halt für mein Leben völlig destruktiv und dementsprechend war ich drauf - mit "Recht", find ich.
Weißt du, heut wird jedes Problem immer gleich als "Depression" oder sonstwas diagnostiziert und dann soll der Mensch sich selber ändern, als dass er mal den Scheiß anprangert oder ändert, der in unserer Gesellschaft mit ihm getrieben wird! Das ganze Depressions- und Psychozeug heutzutage ist doch nur Verarsche! ...zum Glück gibt es das, weil da kann man sich wenigstens krank schreiben lassen und gegen die Sklaventreiber zurück schießen; aber sonst...?

Aber ich wollt eigentlich nicht über Depressionen reden, sondern über die Realitätsflucht.

Ein Bier trinken, auch zwei oder drei Bier trinken, oder richtig geile Musik hören, vielleicht ein Pfeifchen rauchen, auf ein Konzert gehen und Party machen, das ist keine Realitätsflucht! Man richtet den Blick halt mal auf was anderes als auf Probleme, aber das Andere ist immer noch Realität - die schöne Seite der Realität. In der solchen kann man dann vielleicht sogar die rettende Idee haben zur Lösung der Probleme.

Virtuelle Welten oder irgendwelche Traumgespinste sind wirklich was ganz anderes. Es sind ANDERE Welten. Sie laufen zwar noch auf realen Medien, entführen aber richtig aus der Realität raus in eine andere Welt - aus der man dann halt auch wieder zurück muss. Außerdem sind sie ein ordentliches Stück schöner und geiler als ein kleiner Suff oder mal ein bisschen chilliger Rauch oder so. Sie sind ein richtiges Paradies - und sie haben ja auch meist zum Inhalt, dass man sich in ihnen richtig eine eigene Identität aufbaut. Da ist man wer anderes, der man real halt NICHT ist. Man flüchtet da nicht nur vor der Realität, sondern auch vor einem selbst.

Naja und ich persönlich habe da halt eine gewisse Angst, weil ich weiß, dass ich da nie mehr zurück wollte, das aber immer wieder muss. Ich würde mich dann mehr in der virtuellen Welt aufhalten als in der realen und irgendwann würde ich die reale Welt nicht mehr bewältigen können, weil ich mein Persönlichkeitspotenzial zu sehr auf die virtuelle Welt verlagert hätte.

So lange ich also immer wieder zurück MUSS und so lange ich mich von der realen Welt nicht lösen kann, in ihr immer wieder leben muss, so lange soll auch die reale Welt mein Fokus 1. Güte sein, weil das ist meine Basis! Wenn ich mal mein, das gibts hier alles nicht mehr (lange), sondern das Paradies wird bald kommen und ich mich deswegen auf den Marktplatz stell und halleluja sing, dann tuts RICHTIG weh, wieder zurück in die Realität geholt zu werden - und diesen Schmerz möchte ich mir einfach ersparen! Drum geh ich gar nicht erst hin.

Wie gesagt: Wenn ich natürlich NICHT wieder zurück müsste... ohooo! ...dann wär ich SOFORT weg!



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RE: Virtuelle Welten

#14 von Instant Karma , 29.03.2012 22:23

Zitat von RAFA
Das ganze Depressions- und Psychozeug heutzutage ist doch nur Verarsche!



Okay, in DEINEM Fall mag das keine richtige Depression gewesen sein. Ich hatte aber mal eine und über Monate lang nur noch im Bett gelegen und die Decke angestarrt. Fehldiagnosen fallen da evtl. leicht, weil man halt nicht genau messen oder sehen kann, ob jemand 'ne Depression hat oder nicht. Diese Erkrankung gibt es aber wirklich! Auch wenn du möglicherweise Recht hast, dass die Diagnose schon langsam Mode wird.

Zitat von RAFA
Ein Bier trinken, auch zwei oder drei Bier trinken, oder richtig geile Musik hören, vielleicht ein Pfeifchen rauchen, auf ein Konzert gehen und Party machen, das ist keine Realitätsflucht!



Das sehe ich anders. Wie ich im Eingangsthread schon schrieb, ist auch die normale Wahrnehmung schon eine virtuelle Realität. Wir nehmen unsere Umgebung ja nicht so auf wie sie tatsächlich ist, sondern übersetzen eintreffende Signale so, wie es sich durch die Evolution als Vorteilhaft erwiesen hat. Natürlich ist es die Hauptebene unserer Wahrnehmung. Also: Besser geht es nun mal nicht; also bin ich gern bereit, das definitionsgemäß als DIE Realität anzusehen. Drogen wie Alkohol verändern die Wahrnehmung - und damit unsere "Realität" - sehr direkt. Ich denke schon, dass damit eine Flucht MÖGLICH ist und das auch der Grund ist, warum viele Alkis sich das Zeug so gern rein kübeln. Bei dir ist das natürlich eine sehr viel sanftere Form. Du möchtest gerne weiterhin den Überblick behalten und flüchtest nicht zu weit. Vielleicht ist Flucht auch ein zu krasses Wort. Du willst ja nicht panikartig weg laufen, sondern vielleicht bissl abschalten und Abstand gewinnen. Das mache ich mit meinen virtuellen Welten - in Form von Games - aber auch. Ich sehe da nicht wirklich so den Unterschied, zumal ich ja immer noch die reale Umgebung um mich herum wahr nehme und auch auf sie reagiere, wenn zum Beispiel das Telefon klingelt. Ich habe mich da schon stärker in so mancher Musik verloren. Da gerate ich teilweise wirklich in Trance und klinke mich völlig aus.

Das ist u. U. auch mit Games möglich, oder mit Alkohol oder mit Büchern, oder, oder... So meinte ich das. Aber klar: Bei vom Computer erzeugten virtuellen Welten ist das sehr viel plakativer und eindeutiger.

Zitat von RAFA
Außerdem sind sie ein ordentliches Stück schöner und geiler als ein kleiner Suff oder mal ein bisschen chilliger Rauch oder so. Sie sind ein richtiges Paradies



Gut, das ist aber Geschmackssache! Ich teile diese Meinung, aber als ich noch Drogen genommen habe, war meine Einstellung dazu ein wenig anders. ;-)

Zitat von RAFA
Ich würde mich dann mehr in der virtuellen Welt aufhalten als in der realen und irgendwann würde ich die reale Welt nicht mehr bewältigen können, weil ich mein Persönlichkeitspotenzial zu sehr auf die virtuelle Welt verlagert hätte.



Das könnte mir nicht passieren, weil es mir schon nach wenigen Stunden zu langweilig wird. Egal welches Spiel ich spiele. Die Technik heutzutage ist noch längst nicht weit genug, um mehr zu bieten als die echte Welt.


 
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RE: Virtuelle Welten

#15 von RAFA , 29.03.2012 22:54

Zitat von IK
Okay, in DEINEM Fall mag das keine richtige Depression gewesen sein.


Ich hatte das nicht als Verarsche geplant. Aber ich hatte ganz einfach ein "Problem von (vermeintlich) vitaler Bedeutung" und das machte mich halt fertig. Das ist keine echte Depression, aber arbeitsfähig war ich trotzdem nicht mehr.

Ich denke, die Anteile an "echten", also GRUNDLOSEN Depressionen, sind sehr gering! Die meisten Depressionen sind IMO berechtigt und adäquate Lösung wäre das Aufräumen von Missständen. Aber dann müssten sie ja was am System ändern. Da ist es einfacher, denjenigen als depressiv zu diagnostizieren und ihm einzureden, sein Problem sei seine Denkweise .

Aber gut. Lassen wir das. Gehört nicht zum Thema.


Zitat von IK
, ist auch die normale Wahrnehmung schon eine virtuelle Realität.


da hast du natürlich völlig Recht: wenn man es analysiert, ist das freilich so. Trotzdem unterscheide ich ganz ugs. zwischen der Realität(TM) und irgendwelchen Träumen und Pflenzen, die ich mir zamspinn. Wahrnehmungstechnisch besteht wohl wenig Unterschied. Der große Unterschied ist nur der, dass die Realität(TM) (schmerzliche) Gewalt hat.


Zitat von IK
sondern vielleicht bissl abschalten und Abstand gewinnen. Das mache ich mit meinen virtuellen Welten - in Form von Games - aber auch. Ich sehe da nicht wirklich so den Unterschied


Das macht jeder, ob er nun Games zockt, TV schaut oder ein Buch liest, in Urlaub fährt oder sonst was. Der Unterschied ist halt nur, dass er "damit umgehen kann". Wenn nämlich einer ernsthaft drunter leidet, dass er aus dem Urlaub wieder heim muss, und deswegen einfach noch bleibt bis ihm die Kohle ausgeht oder bis sie ihn aus dem Urlaubsland ausweisen, dann stimmt was nicht. Genau DAS würde mir bei so mancher virtuellen Realität passieren: ich würde nicht mehr zurück wollen und ginge erst unter Zwang. Das weiß ich halt, und diesem Zwang möchte ich mich nicht aussetzen, drum versag ich mir das von vorn herein. Ich versuche mich vor der Sucht zu schützen, die mich da packen würde.


Zitat von IK
Gut, das ist aber Geschmackssache! Ich teile diese Meinung, aber als ich noch Drogen genommen habe, war meine Einstellung dazu ein wenig anders. ;-)


Bei mir ist das schon lang her, war Anfang der 80er Jahre, da habe ich Comix gemalt. Erst waren's so Comix, wie ich mir die (magische) Welt vorstelle und wie ich sie gerne hätte - mit mir als Hauptfigur - und dann verlor ich mich darin. Ich glaubte irgendwann, es könnt ja vielleicht wirklich so sein und lebte nur noch in meinen Comix. Ich malte jeden Tag von früh bis abends, bis mir die Augen zu fielen und ich nichts mehr sah. Ich lebte lange Zeit total in dieser Traumwelt. Natürlich ging alles Reale sukzessive den Bach runter, angefangen von meinem "Haushalt", der nur noch völlig verwanzte bis hin zu meinem Studium damals. Ich schloss mich in der Wohnung ein, ließ die Rollos runter und machte nicht mehr auf, wenn es klingelte, weil das störte mich alles beim Comix-malen. Freunde kamen bald keine mehr - endlich hatte ich deren Störungen los! - und so versumpfte ich komplett.

Ich kann mich erinnern, dass das ein sehr zwiespältiges Leben war, denn ich war völlig glücklich in der Comix-Welt, wusste ja aber, dass es hint und vorn in meinem Leben "brannte" und es nicht mehr lang so weiter gehen konnte, ignorierte das aber immer kräftiger, weil sonst hätte ich ja in der realen Welt wieder mal was tun müssen und in der Zeit konnte ich schon keine Comix malen. Eigentlich war es dann eben dieses krampfhaft ignorierte Bewusstsein der Realität, das mein Traumleben platzen ließ, denn irgendwann konnte ich die Realität einfach nicht mehr verdrängen, ich wusst's ja, ich konnt die Ängste, die ich drum hatte, nicht mehr ignorieren. Das Schlimme war dann wirklich die Zeit, wo ich vor lauter unterdrückter Angst um den "Brand" in meinem realen Leben nicht mehr ignorieren konnte und mich drum kümmern MUSSTE. Das war ein elender, unangehmer Gewaltakt, den möchte ich nicht noch einmal tun müssen. Die Seligkeit meiner Comixträumereien hielten das "schlechte Gewissen" über den Realzustand nicht aus.



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